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„How to make it perfect?“

Ein kontrafaktisches Spiel mit der Liebe.

Dokumentarischer Filmessay   (in Vorbereitung)

 

 

Realität ist selten so, wie man sie haben will. Vor allem in der Liebe nicht. Es gibt zu viele Realitäten gleichzeitig. Immer funkt eine andere dazwischen, wenn es gerade gut zu laufen scheint. Dann versucht man auf die Störung hinzuweisen, aber die meisten Realitäten scheinen schwerhörig zu sein. Auch die eigene Realität ist schwerhörig, wenn es um die der anderen geht, und sie lässt sich dummerweise nicht unbedingt immer teilen, auch wenn viele Kinofilme landauf- und landabwärts etwas anderes behaupten. Zu allem Überfluss besteht die eigene Realität zudem bei genauem Hinsehen selbst nicht nur aus einer, sondern vielmehr aus unzähligen unterschiedlichen Vorstellungen und Bildern von der Liebe. Da existieren alte wie neue Rollenbilder nebeneinander, manche davon werden im Keller versteckt, andere dagegen wie eine Handtasche öffentlich vorgezeigt. Im Idealfall ergänzen sie sich zu einem konsistenten Gesamtbild, oftmals treten sie sich aber auch kräftig gegenseitig auf die Füße.

 

Trotz allem ist die Liebe eine der letzten großen Utopien des postmodernen Zeitalters. Es scheint, als sollten gerade hier – im intimsten, zwischenmenschlichen Rahmen - die Defizite einer kapitalistisch geprägten Gesellschaft kompensiert werden. Da soll Liebe fehlende Sinnzusammenhänge ersetzen, Einzigartigkeit inmitten einer Mainstream gewordenen Individualität erfahrbar machen, Sicherheit und Geborgenheit vermitteln – und schließlich fungiert das Sehnsuchtsbild einer dauerhaften Bindung und Vereinigung mit einer geliebten Person als Hort für eine Utopie der Einheit und Kontinuität des flexiblen, fragmentierten Individuums. Gerade in den Perfektionsträumen von der Liebe verbirgt sich damit aber auch eines der kontrafaktischsten Projekte unserer Wirklichkeit. Paare bauen an der perfekten Beziehung, Singles träumen von der perfekten ersten Begegnung, der perfekten Liebeserklärung oder dem perfekten Kuss. In diesen Wunschbildern spielt die Realität mit ihren Fakten selten eine Rolle: Scheidungsraten, soziale Gräben, flexible Arbeitsbedingungen verschwinden hinter der Vorstellung, vielleicht das große Los zu ziehen.

 

Mit dem dokumentarischen Filmessay „How to make it perfect“ legt das Labor für kontrafaktisches Denken all die verschiedenen Perfektionssehnsüchte unters Mikroskop, probiert sie vor der Kamera einfach mal aus und schreibt die Drehbücher der Liebe um. „How to make it perfect“ ist ein künstlerisches und in dieser Weise auch verspieltes Plädoyer dafür, die Pluralität der eigenen Identität und der zum Teil widersprüchlichen Vorstellungen und Wunschbilder von der perfekten Liebe am Beginn des 21. Jahrhunderts auszuhalten und lustvoll auf ihre Möglichkeiten abzuklopfen.